IBR Q4.2011: Globale Konjunkturerwartungen auf dem Nullpunkt - Euro-Länder rechnen mit Rezession - Deutsche optimistisch

Die Konjunktur-Erwartungen der Top-Manager und Geschäftsinhaber weltweit sind zum Jahreswechsel auf den Nullpunkt gesunken. In der Eurozone hat sich die Stimmung im Winter sogar noch weiter verschlechtert. Selbst in "gesunden" Ländern wie Frankreich und Finnland überwiegen zum neuen Jahr die negativen Erwartungen deutlich. Im Gegensatz dazu starten deutsche Manager 2012 ungewöhnlich optimistisch. Ihre Hoffnungen werden aktuell nur von Geschäftsinhabern in Lateinamerika übertroffen.

Das zeigt der aktuelle "IBR-International Business Report" der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton nach einer Befragung unter rund 2.800 Geschäftsleuten in 39 Volkswirtschaften weltweit.

Weltweite Stimmung jetzt auf dem Nullpunkt

Bei den Geschäftserwartungen weltweit halten sich Pessimisten und Optimisten jetzt die Waage. Der Indikator sank von 23 Punkten Ende 2010 und drei Punkten im Herbst nunmehr auf Null. Nord- und Lateinamerika sowie die BRIC-Staaten verzeichnen zwar seit Herbst wieder leichte Zuwächse bei der Zuversicht. Dagegen stehen jedoch stagnierende Aussichten in Asien und ein deutlich verschärftes Stimmungstief in der EU und der Eurozone.

IBR-Studie 4. Quartal 2011: Weltweite Zuversicht

Unsicherheit bedroht die Konjunktur

"Der Ausblick auf 2012 zeigt, dass der europäische Kontinent eine akute Vertrauenskrise durchläuft und in die konjunkturelle Senke driftet. Es besteht die Gefahr, dass sich diese Talfahrt weltweit auswirkt", sagt Klaus-Günter Klein, Vorstandsvorsitzender von Warth & Klein Grant Thornton: "Vorstände und Geschäftsführer wissen einfach nicht, wie sich die Dinge entwickeln werden. Diese Unsicherheit zehrt am Selbstbewusstsein und würgt den Konjunkturmotor ab. Insgesamt führen diese Faktoren dazu, dass eine Rezession in der Eurozone möglich ist."

Deutsche Wirtschaft ungewöhnlich optimistisch

Unter deutschen Managern hat die Zuversicht im vergangenen Jahr gut ein Drittel nachgelassen. Der Indikator verzeichnet ein Minus von 75 auf 46 Prozent seit Ende 2010 sowie einen erneuten, wenn auch leichten Rückgang seit vergangenem Herbst. Im internationalen Vergleich geht die deutsche Wirtschaft damit aber ungewöhnlich optimistisch ins neue Jahr. Bei den geschäftlichen Erwartungen schneidet nur Lateinamerika mit 61 Prozent besser ab. In Asien dagegen hat sich die Zahl der Optimisten seit Ende 2010 von 50 auf 23 Prozent mehr als halbiert, in Nordamerika ging sie sogar um fast drei Viertel von 26 auf 6 Prozent zurück. Die deutliche Mehrheit deutscher Führungskräfte und Unternehmer erwartet auch 2012 höhere Umsätze. 54 Prozent wollen im neuen Jahr in neue Produktionsanlagen investieren. Gut die Hälfte der Befragten rechnet mit höheren Gewinnen und zunehmenden Exporten. Ein Drittel geht außerdem noch davon aus, dass sich Preissteigerungen durchsetzen lassen oder die Verkaufspreise zumindest gleich bleiben.

IBR-Studie 4. Quartal 2011: Vergleich der Eurozone mit dem Stand im Vorjahr

Eurozone vor Rezession

Von der Zuversicht der deutschen Wirtschaft sind selbst "gesunde" Volkswirtschaften der Eurozone, die von Sparprogrammen nicht oder wenig betroffen sind, inzwischen weit entfernt. Einen erneuten dramatischen Einbruch hat Frankreich zu verzeichnen, das seine Ratingbewertung "AAA" einbüßen könnte und damit den Europäischen Stabilitätspakt zu gefährden droht. Vom Herbst auf den Winter stieg die Zahl der Konjunktur-Pessimisten in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone von 14 auf 46 Prozent.

Auch in Finnland schlägt die Eurokrise kräftig auf die Stimmung. 62 Prozent der befragten Manager schätzen ihre Erwartungen als pessimistisch ein, in Deutschland sind es nur 16 Prozent. Vor einem Jahr gehörte Finnland nach Deutschland noch zu den Euroländern mit der stärksten Zuversicht. Heute beurteilen die Finnen ihre Aussichten noch sogar noch düsterer als die Griechen.

Schlusslicht der Eurozone ist nunmehr Spanien. Nach einem zeitweisen Stimmungsaufschwung hat sich die Zahl der Pessimisten im Umfeld der Wahl innerhalb nur eines Quartals auf 62 Prozent beinahe verdoppelt.

IBR-Studie 4. Quartal 2011: Starker Einbruch der Zuversicht in der Euro-Zone

Eurozone als Weltkrisen-Motor?

"Auf die Politiker kommt in diesem Jahr jede Menge Arbeit zu. Das Fokussieren der Politik auf Sparprogramme beeinträchtigt leider die Wachstumschancen für Unternehmen", warnt Klaus-Günter Klein, Vorstandsvorsitzender von Warth & Klein Grant Thornton: "Verbessern oder verschlechtern - so lautet jetzt die Schicksalsfrage in der Eurozone. Die Unternehmen in Wachstumsmärkten wie China und Brasilien sind derzeit zwar noch gut aufgestellt, doch ist nicht zu vergessen, dass Europa der weltweit größte Binnenmarkt und für viele Staaten ein zentraler Handelspartner ist. Es steht zu befürchten, dass die Auswirkungen eines weiteren Abschwungs in Europa noch lange in diesen Wachstumsländern nachwirken könnten."

Über die aktuelle Studie

Der "IBR-International Business Report" von Warth & Klein Grant Thornton befragt mittelständische und große Privatunternehmen. Die Daten für die aktuelle Veröffentlichung basieren auf Interviews, die mit weltweit 2.800 Geschäftsleuten im November/Dezember 2011 geführt wurden. Befragte Personen sind in erster Linie CEOs, sowie andere geschäftsführende und leitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 40 Ländern in den folgenden Industriezweigen: (verarbeitende Industrie: 25 Prozent), Dienstleistungen (25 Prozent), Einzelhandel (15 Prozent), Baugewerbe (10 Prozent) und andere Branchen (25 Prozent).

Über Warth & Klein Grant Thornton

Warth & Klein Grant Thornton ist die deutsche Mitgliedsfirma von Grant Thornton International, einer der weltweit führenden Organisationen unabhängiger Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften, und zählt in Deutschland zu den zehn größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Die Mitgliedsfirmen von Grant Thornton bieten international tätigen Unternehmen in über 100 Ländern weltweit Beratungs- und Prüfungsleistungen nach einheitlichen, hochwertigen Standards.