Trotz Staatsschuldenkrise will eine überwältigende Mehrheit von 92 Prozent der Unternehmer in der EU am Euro festhalten. Und fast 80 Prozent der Manager in der Eurozone finden, dass die Einführung des Euro sich positiv auf ihr Geschäft ausgewirkt hat. Das zeigt der aktuelle "International Business Report" (IBR) von Warth & Klein Grant Thornton nach einer Befragung unter rund 1.300 Geschäftsleuten in 17 europäischen Volkswirtschaften und EU-Nachbarländern.
Die größten Vorteile aus Sicht der Befragten sind der Aufschwung des Handels mit anderen Euro-Staaten (23 Prozent), die Eliminierung von Währungsrisiken (15 Prozent) sowie die bessere Vergleichbarkeit von Preisen (12 Prozent). Hauptnachteil der Einheitswährung ist für 57 Prozent der Befragten der Anstieg der Kosten und Preise. Am größten ist die Zustimmung zum Euro in Finnland (90 Prozent) und Belgien (84 Prozent), Schlusslicht ist Italien mit nur 48 Prozent. Die beiden volkswirtschaftlichen Schwergewichte Deutschland und Frankreich verzeichnen mit 79 bzw. 71 Prozent eine solide Zustimmung zum Euro.
Prof. Dr. Klaus-Günter Klein, Vorstandsvorsitzender von Warth & Klein Grant Thornton: "Wenn Unternehmer heute über die Zukunft des Euro abstimmen dürften, wäre das Resultat eindeutig: Sie würden voller Euphorie am Euro festhalten. Und das trotz der ungelösten Staatsschuldenkrise und der damit verbundenen Unsicherheit. Diesen erfreulichen Umstand sollten Politiker unbedingt in ihre Erwägungen einbeziehen, wenn sie nach Lösungen für die Zukunft des Euro suchen - und gleichzeitig Pläne für eine weitere europäische Integration ausarbeiten. Europa mag am Rande einer Rezession stehen, aber ein Aufbrechen der Einheitswährung könnte die gesamte Weltwirtschaft herabziehen."
Gleichzeitig konstatiert der IBR eine deutliche Skepsis gegenüber einer EU-Erweiterung. Nur jeder dritte Unternehmer spricht sich für eine Ausweitung des Euro aus. Bemerkenswert: Der Wunsch nach neuen EU-Mitgliedsstaaten ist unter Managern in den stark angeschlagenen Volkswirtschaften Griechenland und Spanien am größten. Ein Ausscheiden von einzelnen Staaten aus der EU ist für rund ein Viertel der Befragten eine echte Option, insbesondere in Finnland, Deutschland und den Niederlanden, den Ländern also, die weiterhin ein AAA-Rating vorweisen können.
Außerhalb der Eurozone zeigt sich ein unterschiedliches Bild: Die meisten Manager in Polen und Dänemark sähen gerne einen Eurobeitritt ihrer Länder (64 bzw 62 Prozent), während unter ihren Kollegen in Großbritannien (12 Prozent Zustimmung) und Schweden (28 Prozent Zustimmung) die Ablehnung überwiegt. Von den Staaten außerhalb der EU sind die Zahlen aus der Türkei interessant: So votieren 88 Prozent der türkischen Unternehmer für einen Eintritt ihres Landes in die EU, aber nur 32 Prozent wünschen sich den Euro als Währung.
"Die gute Nachricht lautet: Unternehmer stehen felsenfest zum Euro. Die nächsten Monate könnten die wichtigsten in der Geschichte der europäischen Einheitswährung werden - und vielleicht für die EU überhaupt“, kommentiert Klaus-Günter Klein. „Vor uns liegen gewaltige Herausforderungen. Die größte ist wohl die Reduzierung der Haushaltsdefizite. Denn diese überschreitet die im Maastricht-Vertrag festgelegte 60-Prozent-Schwelle bereits in Belgien, Frankreich, Griechenland, Italien und Irland. Die Regierungen stehen jetzt vor dem Spagat, die Schulden zu reduzieren und dabei die Wachstumsaussichten für Unternehmen nicht durch Sparprogramme abzuwürgen."
Der "IBR-International Business Report" von Warth & Klein Grant Thornton befragt mittelständische und große Privatunternehmen. Die Daten für die aktuelle Veröffentlichung basieren auf Interviews, die mit 1.300 Geschäftsleuten im November/Dezember 2011 in insgesamt 17 Staaten in der Eurozone und Nachbarländern der EU geführt wurden. Befragte Personen sind in erster Linie CEOs, sowie andere geschäftsführende und leitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 40 Ländern in den folgenden Industriezweigen: (verarbeitende Industrie: 25 Prozent), Dienstleistungen (25 Prozent), Einzelhandel (15 Prozent), Baugewerbe (10 Prozent) und andere Branchen (25 Prozent).
Warth & Klein Grant Thornton ist die deutsche Mitgliedsfirma von Grant Thornton International, einer der weltweit führenden Organisationen unabhängiger Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften, und zählt in Deutschland zu den zehn größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Die Mitgliedsfirmen von Grant Thornton bieten international tätigen Unternehmen in über 100 Ländern weltweit Beratungs- und Prüfungsleistungen nach einheitlichen, hochwertigen Standards.